Wolle und Brillen haben erstaunlich viel gemeinsam

Blindflug zwischen Maschen und Brillengestellen

Neulich habe ich etwas gemacht, was vermutlich nur zwei Sorten Menschen freiwillig tun.

Brillensammler.

Und Menschen, die dringend Ordnung schaffen müssten.

Ich habe sämtliche Brillen zusammengesucht, die sich in den letzten Jahren bei mir angesammelt haben. Und das sind … einige.

Da lagen sie also auf meinem aktuellen Strickprojekt aufgereiht. Die olivgrüne. Die rote. Die mit den Katzenaugen. Die große. Die kleine. Die runde. Die Nerd-Brille. Die „Heute-bin-ich-seriös“-Brille. Und natürlich die „Warum-habe-ich-die-eigentlich-gekauft?“-Brille.

Jede einzelne habe ich irgendwann geliebt. Jede hat eine Geschichte. Und jede passte oder passt auch immer noch irgendwie perfekt zu mir.

Früher war das übrigens ganz anders.

Ich trage seit meiner Kindheit eine Brille. Damals, als Brillengestelle eher danach aussahen, als hätte jemand aus einem Restbestand braunes Plastik etwas Praktisches zusammengebastelt. Von Statement-Piece konnte keine Rede sein. Eine Brille war etwas, das man tragen musste (weil ich sonst schlichtweg auch nichts gesehen hätte). Nicht etwas, das man tragen wollte.

Heute ist das (zum Glück) Geschichte.

Eine Brille gehört für mich inzwischen genauso zu meinem Stil wie meine selbstgestrickten Designs, ob Tuch, Shirt oder Sweater. Sie unterstreichen meinen Typ, es darf ruhig mal auffällig sein, ob durch Farbe, Schnitt und ein bisschen Verrücktheit.

Deshalb kann ich übrigens genauso wenig an einem Optiker vorbeigehen wie an einem Wollladen.

Es ist hoffnungslos.

Andere schauen nach Schuhen, ich schaue nach Brillengestellen. (Wenn wir schon bei persönlichen Eigenarten sind, dann verrate ich dir auch dazu ein kleines Geheimnis: Ich hasse Schuhe kaufen!)

„Ich geh nur mal kurz rein…“

Das ist ungefähr so glaubwürdig wie:

„Ich brauche eigentlich keine neue Wolle.“

Wir wissen alle, wie das endet.

Ehrlich gesagt fühlte sich das verdächtig vertraut an.

Beim Optiker geht es mir wie in einem Wollladen.

Ich gehe mit dem festen Vorsatz hinein, nur um „mal zu schauen“.

Zwanzig Minuten später hält man drei Favoriten in der Hand und überlegt ernsthaft, ob man wirklich alle braucht.

Spoiler: Die Antwort lautet natürlich nein.

Vor ein paar Wochen war ich zufällig im Arabellapark unterwegs. Neben einem Café fiel mein Blick auf einen Optikerladen, Brillenwerk München.

Na gut, da war es wieder das Gefühl: „Nur mal kurz schauen“,

Fünf Minuten später hatte ich schon jedes zweite Gestell anprobiert.

Marken, die ich noch nie gesehen hatte:

Neue Farben.

Unverwechselbare Formen.

Charaktervolle und typprägende Gestelle.

Und glaub mir … das passiert selten. In meiner privaten Brillensammlung ist inzwischen nämlich eine ziemliche Bandbreite an Brillen vertreten.

Ich war offiziell im Brillenrausch.

Ja, den gibt es.

Er fühlt sich erstaunlich ähnlich an wie der „Wollrausch“.

„Ohhhh… die ist toll.“

„Die auch.“

„Moment… die da hinten!“

„Und die erst!“

Einziger Haken an der Sache? Ich sehe praktisch nichts beim Ausprobieren.

Ich habe eine ziemlich hohe Dioptrienzahl und zusätzlich eine starke Hornhautverkrümmung. Eine Kombination, bei der jeder Optiker erst einmal tief Luft holt.

Meine Brille ist deshalb nicht nur ein modisches Accessoire. Auch wenn viele das denken. Nein, sie ist mein tägliches Überlebenswerkzeug.

Und genau deshalb wird selbst das Aussuchen einer neuen Brille manchmal ad absurdum geführt.

Denn sobald ich ein Gestell ohne Gläser in meiner Sehstärke aufsetze, kann ich nicht mehr beurteilen, ob mir eine Brille steht.

Ich erkenne mein eigenes Spiegelbild kaum. Das ist wirklich ein richtig ätzendes Gefühl.

Also bin ich darauf angewiesen, dass jemand Fotos macht. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an den Ehecheffi, der geduldig zum persönlichen Brillenfotografen befördert wurde.

Aus

„Ich schau nur kurz rein“

wurde also auch diesmal zu

„Mist… jetzt gefallen mir ungefähr zehn Brillen!“

Ob dafür gerade Budget eingeplant war? Natürlich nicht. Und nein … teuer wird bei mir nicht das Gestell. Teuer werden die Gläser. Sehr teuer. Richtig teuer.

Wenn du ähnlich schlechte Augen hast, wie ich, weißt du vermutlich sofort, wovon ich spreche.

So verließ ich das Brillenwerk München ohne neue Brille. Ich weiß. Ich kann diesen Satz auch kaum glauben.

Als ich dann wieder zu Hause war, lagen all meine Brillen vor mir.

Und plötzlich fiel mir etwas auf. Ich liebe sie wirklich alle. ABER…

Mit keiner einzigen sehe ich noch richtig gut.

Und genau da musste ich an meine Strickstunden denken.

In letzter Zeit ertappe ich mich immer häufiger dabei, dass ich mein Strickstück weiter und weiter von mir weghalte. Gefühlt werden dann irgendwann die Arme zu kurz. Puhhh….

Vielleicht erkenne ich so besser, ob das jetzt eine rechte oder eine linke Masche ist. Vielleicht.

Spoiler: … Nein.

Ich kneife die Augen zusammen. Drehe mein Strickzeug ins Licht. Halte es näher. Dann wieder weiter weg. Und denke jedes Mal:

Das kann doch jetzt nicht wahr sein.

Wer strickt, weiß, wie wichtig gutes Sehen ist.

Maschen lesen. Fehler entdecken. Muster erkennen. Farben genießen.

Stricken ist meine Leidenschaft, mein Kreativ-Leben. Und ja, auch meine Arbeit.

Und plötzlich wird genau das anstrengend. Nicht, weil das Muster kompliziert wäre.

Sondern weil die eigenen Augen nicht mehr mitspielen. Das fühlt sich ehrlich gesagt ziemlich nach Blindflug an.

Und Einschränkungen mag ich überhaupt nicht.

Deshalb habe ich nach meinem Spontanbesuch beim Brillenwerk München (bei dem ich im wahren Sinne des Wortes quasi blind reingestolpert bin) beschlossen, das Offensichtliche nicht länger zu ignorieren.

Ich muss mir dort einen Termin buchen!

Natürlich, um noch einmal durch diese großartige Auswahl an außergewöhnlichen Gestellen zu stöbern.

Aber vor allem für einen Sehtest und eine Beratung.

Denn auch ohne irgendeine Messung kann ich ziemlich sicher sagen:

Da hat sich etwas verändert.

Manchmal merke ich gar nicht, wie sehr ich mich an kleine Kompromisse gewöhnt habe. Bis ich mich gefragt habe, warum Stricken plötzlich so anstrengend geworden ist.

Ist das Licht schuld? Sicher nicht, es braucht einfach einen neuen Blick auf die Dinge.

Und ganz ehrlich?

Falls dabei zufällig noch eine wunderschöne neue Brille bei mir einziehen sollte…

…würde ich das wohl als unvermeidbaren Kollateralschaden betrachten.

So ähnlich wie beim Wollekauf eben … kaum habe ich ein Knäuel in der Hand schreit es schon „Nimm mich mit!“. Wie soll man da vernünftig bleiben und „nein“ sagen.

Ich habe also für die darauffolgende Woche einen Termin beim Brillenwerk München vereinbart.

Es bleibt die entscheidende Frage:

Finde ich meine neue Lieblingsbrille?

Oder finde ich am Ende nur heraus, dass ich einfach zu viele Brillen schön finde?

Und was sagen meine Augen überhaupt zu der ganzen Sache?

Die Antworten gibt’s im nächsten Beitrag meiner Brillenreise.

Fortsetzung folgt …


Dieser Beitrag enthält Werbung (aus persönlicher Überzeugung).

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